Reformationsjubiläum rollt an

Das Reformationsjahr im Kanton St.Gallen startete am Sonntag mit einem Festgottesdienst und zahlreichen Auftaktveran-
staltungen. Viele feierten mit.

„Sie müssen Vadian entschuldigen“. Er könne leider in der St.Galler Stadtkirche zu St. Laurenzen nicht selber vorbeischauen, sagte Agnes vor versammelter Festgemeinde. Das Jubiläum 500 Jahre Reformation strapaziere ihn zu sehr. So sei halt sie an seiner Stelle kurz vom Himmel gestiegen, um mal nachzuschauen – und den heutigen Kirchen- und Staatsfrauen und -männern ein paar Fragen zu stellen.

Von allen gab es am Festgottesdienst zum Auftakt der Reformationsjubiläums im Kanton St.Gallen genug. Stände-, Regierungs- und Stadträte, Bürgerratspräsidenten und Rektorinnen, Pfarrerinnen und Pfarrer, selbst Bischof Markus war zugegen. Von letzterem wollte Agnes wissen, wie reformiert die katholische Kirche heute nun sei. Von Martin Schmidt, Präsident des Kirchenrates der Evang.-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen, ob die reformierte Kirche ihren Grundsatz der ständigen Erneuerung auch wirklich zu Herzen nehme und von Ständerätin Karin Keller-Sutter, ob das Verhältnis zwischen Kirche und Staat geklärt sei. Alle Gefragten gaben Agnes und den rund 800 Gottesdienstbesucherinnen und -besuchern artig Auskunft und ihre Antworten zusammengenommen sind Hausaufgabe genug für die nächsten 500 Jahre.

Doch zunächst durften alle auf die 500 Jahre seit der Reformation anstossen: Mit einem für den Festtag lancierten Vadian-Bier. Dazu eine Reformationswurst nach altem Rezept, Suppe und Bürli. Rund 1500 Leute liessen es sich schmecken. Nach dem Schmaus dann viel für’s Ohr und’s Auge. Ausstellungen im Rathaus, dem Historischen- und Völkerkundemuseum, dem Stadthaus, Buchvernissagen, Führungen, Gespräche in der Denkbar, Poetry Slam, Improvisationstheater und Musik in der Kirche St.Laurenzen.

Zum Abschluss des Tages zog der Künstler Hans Thomann die ganze Zürcherbibel auf einer rund 40 Quadrat grossen Leinwand auf und die „Reformierbar“ rollte zu Jazzklängen in der Laurenzenkirche ein. So beschwingt fährt sie ab jetzt durch den Kanton – zu vielen der 150 verschiedenen Veranstaltungen, die bis zum Reformationssonntag 2018 landauf und landab stattfinden werden.

Und apropos anstossen und feiern: 500 Jahre Reformation ist für viele Glaubende eigentlich kein Grund zum Anstossen. Denn die Trennung der Konfessionen sei zwar ein Aufbruch gewesen, sagte Martin Schmidt, „gleichzeitig richtete sie viel Unheil an und riss Gräben auf“. Als Zeichen der Versöhnung sprachen Bischof Markus und Martin Schmidt gemeinsam ein Schuldbekenntnis und tauschten Zürcher Bibel und Kerze aus.                   kid/Ack

Einige Bilder vom Auftakt finden Sie hier.